Dienstag, 16. November 2010

Zocken bis zum Umfallen, oder: Weltwirtschaftskrise für Einsteiger.



"Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh." (Henry Ford, 1863-1947)


Da ich schon länger mal etwas zur Finanzkrise bloggen und einige Faktoren aufzählen wollte, wie es laut den gänigen Theorien dazu gekommen ist, hier mal ein etwas längerer Blogpost zum Thema Wirtschaftskrise. Meiner Meinung nach hat diese Krise ja noch etwas tiefergehende Ursachen, die im Grunde durch unser kapitalistisches System als ganzes begründet sind, aber dazu wollt ich jetzt erstmal weniger etwas schreiben, vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt. (Man sollte sich dazu mal anschauen, wann ein Staat z.b. pleite gehen kann, also wenn er seine Zinsen nicht mehr bedienen kann. Das ganze System beruht ja auf einen Modell der Römer und ist eigentlich mittlerweile in einer pre-globalisierten Welt obsolet geworden, bzw hat einen selbstzerstörerischen Charakter. Aber wie gesagt, darauf gehe ich bei Zeiten nochmal gesondert drauf ein)

Der Ausbruch der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 kam durch vielerlei Faktoren zustande. Es begann mit dem Platzen der Blase auf dem US- Immobilenmarkt, anno 2004, die durch eine lange Periode steigender Häuserpreise enstanden war. Damals konnten mehr Familien denn je Hypotheken beziehen und Banken begannen in sogenannten "Subprime" Geschäften einzusteigen. Diese waren hochriskante Kreditvergaben an die Schuldner.
Die Subprime Hypotheken zeichneten sich durch kleine Zinssätze aus, die sich nach Jahren drastisch erhöhten. Außerdem wurden die Risiken den Schuldnern nicht komplett dargelegt, und suggeriert, man könne den Kredit in ein paar Jahren refinanzieren um den Zinssatz weiterhin niedrig zu halten. Warnungen von seriösen Ökonomen wurden (wie so oft) ignoriert, da jeder, angefangen vom Bauunternehmen über Immobilienmarkler und Banken damit Geld zu verdienen schien. Für den Schuldner hatte es den Vorteil, dass sie zum ersten mal in ihren Leben Hausbesitzer werden konnten. Ein verlockendes Lock-Angebot für zahlreiche Familien, die durch jahrzehntelange Deregulierung, vorallem vorangetrieben von den Republikanern, möglich gemacht wurde.

In den Jahren 2005/2006 schossen dann die Zinssätze für die Subprime-Kredite in die Höhe. Die Folge war, das zahlreiche, der neuen Hauseigentümern ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten. Zu dem Zeitpunkt hätte sich die Krise nur auf den US-Immobilienmarkt beschränken können, wäre da nicht die Banken und Geldgeber, die diese Kredite in der ganzen Welt weiterverkauften. Dies passierte in komplizierten Finanzpaketen die kaum einer wirklich verstanden hatte, also eine Art globaler "Reise nach Jerusalem" ohne bekannten Regeln für die Akteure. Im Jahr 2007 wurden fast 1,3 Millionen (!) US-Immobilien zwangsvollstreck. Es folgte eine Panik, die sich auf das weltweite Finanzsystem verbreitete, da niemand zu wissen schien wer die wertlosen Schuldscheine besaß. Die Finanzinstitute bekamen nämlich keine Kredite mehr und blieben auf den faulen Krediten sitzen. Es kam zu Insolvenzen.
Aus Angst vor den Auswirkungen auf die Weltwirtschaft "bail-outeten" viele Regierungen die maroden Banken. Zu den berühmtesten gehörten Freddie Mac und Fannie May (USA), Northern Rock (GB) sowie die Hypo Real Estate in Deutschland. Alleine die USA verabschiedete ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket.

Die Wirtschaftskrise lößte in weiten Teilen der Welt einen Schock aus. Kritiker, die bis dato meist ungehört waren, hatten Hochkonjunktur. Wie konnte der Fuckup in einem Land ganze Nationalwirtschaften in die Knie zwingen? Mehr und mehr Menschen schien die Wirtschaftskrise endlich einen Anlass zu geben, über unsere Art des wirtschaften Gedanken zu machen. Für einige schien die "Gier" der Banker nach mehr und mehr Rendite verantwortlich, andere führten tiefergehende, systematische Ursachen für die Krise an.

Der Volkswirt Gunther Tichy von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften betont z.b. die Änderungen der Finanzinstitutionen der vergangenen Jahre. Für ihn wird zuviel gespart und auf hohe Renditen spekuliert, aber gleichzeitig auch zu wenig investiert. Nimmt man die Tatsache beiseite, dass das Präkäriat sowie große Teile der Mittelschicht mittlerweile nichts mehr haben, was sie sparen oder investieren können, mag er durchaus recht haben. Er sagt z.b., dass auf den Finanzmärkten seit längerem ein Überangebot besteht: Die Banken sind laut ihm in einen Anlagenotstand geraten, weil sie mehr Ersparnisse von den Reichen erhalten als sie sicher und ertragreich wieder anlegen können. Teils ist dies mit der Folge der explodierenden Einkommen aus hohen Rohstoff- und Agrarpreisen zu begründen, teils Folge einer ungleichen und unfairen Einkommenverteilung, sowie auf Export gerichtete Politik. Die "emerging economies", also Volkswirtschaften die an der Schwelle vom Entwicklungsland zum Industrieland stehen, waren traditionell immer "Kreditnehmer". Mittlerweile wurde dieser Trend umgedreht. China kauft z.b. wie besengt US-Staatsanleihen und ihr BIP lag 2000 pro Kopf bei 9,73%, während Deutschland mit 2,92% und die USA mit 3,63% weit darunter lagen. Das hat zur Folge, dass z.b. China der neue Kreditgeber geworden ist.

Die Anlagemöglichkeiten der Banken schrumpfen dadurch, das diejenige, die kreditfähig wären, keine Kredite brauchen oder wollen, da Schuldner immer ein hohes Risiko tragen. Außerdem sind u.a. in Folge von Schuldenbremsen viele Staaten als mögliche Kreditnehmer ausgefallen. Ein weiterer wichtiger zu beachtender Aspekt ist, dass Vermögende sich zwangsläufig nicht mehr mit dem Sparbuch begnügen, weil die Zinsen daraus in folge des Überangebots an Ersparnissen anscheinend kaum noch die Geldentwertung abdecken. Daher drängen sie auf höher verzinste Anlageformen. (Siehe z.b. Subprime-Hypotheken)

Die eigentlich logische Tatsache, dass die höchsten Renditen mit den höchsten Risiko verbunden sind wird selbst von gebildeten, erfolgreichen Menschen großteils ignoriert, sofern es nicht zu ernsten Krisen kommt. Diese "Risiko-Ignoranz" wird von unsoliden Finanzinstitutionen ohne Zweifel ausgenutzt, so dass es zu hohen uneinhaltbaren Versprechungen kommt, die hohe Rendite durch vermeintlich "sicheren" Anlageformen kommt, die der Kunde gerne annimmt.

Zusammengefasst lässt sich aus Tichy´s Erläuterungen schließen, dass Zwei Aspekte die Wirtschaft zum Zusammenfall brachten, und weiterhin werden. 1.) die Nichtbereitschaft in solide Unternehmen zu investieren und damit die Wirtschaft anzukurbeln, und 2.) die Jagt nach hohen Renditen zu vermeintlich "sicheren" Konditionen. Die Akteure des Kapitalismus haben somit den Sinn für das Allgemeinwohl der Gesellschaft verloren.

Wird dieser Trend weitergeführt schlittern wir wieder in die nächste Krise, die laut Ökonomen heftiger ausfallen wird wie die letzte. Wenn Staaten marode Geldinstitute nicht mehr retten können, hat das laut der gängigen Wirtschaftstheorie den Zusammenbruch zu folge. (Ist ja auch klar: Wenn die Institute die dein Geld verwalten Bankrott sind bist du es auch)

Ps:
Ein anderer wichtiger Faktor der Weltwirtschaftskrise ist und war der auf Rekordniveau gestiegende Ölpreis, u.a. auf Grund steigender Energienachfragen in China und Indien. Ein wichtiger, nicht zu vernachlässigender Faktor spielt dabei "Peak Oil", das globale Ölförderungsmaximum, das erreicht wird, wenn etwa die Hälfte aller nutzbaren Ölreserven abgebaut wurde. Danach nimmt das Fördervolumen jährlich um ca. 3-6% ab, bis es letztendlich komplett (Öl ist wie alle Rohstoffe nur begrenzt auf der Welt vorrätig) aufgebraucht wird.
Zunächst stiegen also die Trebstoff- und Heizkosten. Zusätzlich hatte dies durch die Transportkosten drastische Auswirkungen auf die Nahrungsmittelpreise. In den Entwicklungsländern wurde Nahrung so teuer, dass es teilweise zu Aufständen durch Hungersnöten kam (und weiterhin kommen wird).

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